Die Saivo-Seen

Der See Pakasaivo ist ein geheimnissvolles Juwel. Was sich darunter verbirgt, wussten nur die Same. „Sie heissen Saivo-Seen, und waren den Same als Orte heilig. Vom Pakasaivo wird gesagt, er hätte einen zweiten Boden. Am Grund des Sees ist ein Loch, und aus dem entspringt spiegelverkehrt ein See auf der anderen Seite.

Pirjo Rautiainen von der Finnischen Forstverwaltung beschreibt diesen Zugang zur Unterwelt, in samischer Sprache sáiva. Dort hausen nach alter Überlieferung die Geister der Verstorbenen - mit dem Kopf nach unten, wohlgemerkt. Pakasaivo, etwa 13 Kilometer nördlich vom Dorf Hannukainen über eine Schotterstrasse zu erreichen, gehört mit dem nördlich von Äkäslompolo gelegenen See Äkässaivo zu den spektakulärsten Ausflugszielen in West-Lappland und beide waren Zentren der samischen Naturgott- und Opferkultur. „Es waren gefürchtete Orte“, sagt Rautianen, „weil die Anwohner des Spiegelsees würden sich an Menschen hier heroben schadlos halten, wenn einer nicht rechtens lebte.“ Von Wechselbalgen ist in Legenden die Rede, vertauschten Kindern, wenn sich das sáiva-Folk ein Menschenkind von der Oberfläche holte und gegen eines der ihren eintauschte, und von der Unmessbarkeit der Seetiefe.

Und der Folklorist Samuli Paulaharju wusste schon im Jahr 1922 in seinen ´Memoiren aus Lappland´ vom Äkässaivo zu berichten:

„Das Wasser im Saivo ist so klar, dass einer die Fische weit in den Tiefen noch sehen kann, doch wäre es unmöglich, sie noch mit der längsten Leine zu fangen. Niemand weiss, wie tief dieser Saivo wirklich ist, noch würde einer wagen, ihn auszumessen.“

Das ist bald einhundert Jahre her. Aber ihre Geheimnisse haben die Saivo-Seen bis heute nicht preisgegeben. Gespeist aus Quellen - es gibt weder Zu- noch Abflüsse - und mit einer fast sauerstofflosen und eiskalten tieferen Wasserschicht, in welcher organisches Material Jahrhunderte unbeschadet überdauert, liegen die Saivos von Ylläs inmitten schorfer Felswände, still und klar. Über den Pakasaivo weiss Pirjo Rautianen zu sagen, dass er wenigstens 60 Meter tief sein soll. Aber: „Obwohl gründlich erforscht und vermessen, ist bis heute noch kein Taucher in die Tiefen dieses Saivo vorgedrungen.“ Und das ist wohl besser so.